Drei wichtige Fragen, um unser Kopfkino zu steuern


In unserem Kopf befindet sich ein riesiges „Kino-Center“. Mit jeder Wahrnehmung und der sich daraus ergebenden sekundenschnellen Vermutung ziehen wir im übertragenen Sinne ein Ticket für einen Film in diesem Kopfkino-Center. Die Frage dabei ist nur: Warum habe ich genau diesen Film ausgewählt? Und: Sitze ich eigentlich im richtigen Kopfkinofilm?

Lassen Sie uns mit der Antwort auf die zweite Frage beginnen: Der richtige Film ist immer derjenige, von dem ich mir auch die richtige Wirkung verspreche. Mit anderen Worten: Das Genre des Films spielt eine Rolle für sein Ende. Wähle ich Drama, kommt Drama raus. Bei einer Tragödie wird es tragisch, bei Action wird es anstrengend und beim Happy Movie gibt es letztlich auch ein Happy End. Der richtige Film ist also der, mit dem die Aussicht auf das von mir gewünschte Ende am größten ist.

Und obwohl uns dies kognitiv leicht klar ist, wählen wir häufig Kopfkinofilme, mit denen wir auf ein negatives oder eigentlich unerwünschtes Ergebnis einzahlen. Der Grund dafür sind unsere Vermutungen, die wir in der jeweiligen Situation anstellen. Mit kritischen, negativen oder ängstlichen Vermutungen, ziehen wir automatisch Kopfkinotickets für Filme, die durch ihr Genre ein für uns unglückliches Ende haben. Denn tatsächlich wollen wir alles, was wir vermuten, letztlich auch beweisen. Dieser sogenannte „Siehste-Effekt“, der auch selbsterfüllende Prophezeiung genannt wird, schlägt leider unbarmherzig zu.

Zum Glück braucht dies aber nicht so zu bleiben. Wir können unsere innere Einstellung und damit unser Kopfkino-Verhalten nachträglich ändern. Dies ist aufwendig, aber möglich. Der Prozess dafür beginnt mit drei Fragen:

Frage 1: Mit welchem wiederkehrenden Ergebnis bin ich unzufrieden?
Die Opferrolle einzunehmen ist einfach und erscheint zunächst auch komfortabel. Viel herausfordernder und initial natürlich auch anstrengender ist es da schon die Rolle „Gestalter“ auszufüllen. Allerdings ist dies auch lohnenswerter. Dabei geht es darum, an unseren inneren Einstellungen so zu arbeiten, dass wir schließlich ein Denken haben, mit dem wir uns auf eine gewünschte Wirkung ausrichten.

Denn gerade unsere Denkmuster sind der Schlüssel für unsere Erfolge oder Misserfolge. Und zum Glück sind diese nicht in Stein gemeißelt und für immer aufgrund unserer Prägung festgelegt. Wir können sie ändern – auch wenn dies im Einzelfall anstrengend und auch langatmig sein kann. Das Ergebnis ist es den Aufwand aber immer Wert.

Frage 2: Welche innere Einstellung / welches Denken verursacht das Ergebnis?
Im zweiten Schritt geht es um Ursachenforschung. Dabei ist es am besten zunächst mit einem einfachen persönlichen Brainstorming zu starten und mögliche Ursachen zu sammeln. Achten Sie jedoch darauf, dass Sie sich nur auf Aspekte konzentrieren, die Ihre innere Einstellung bzw. Ihr Denken betreffen, denn schließlich geht es ja nicht um Verhaltens- sondern in erster Linie um eine Haltungsänderung, die wir anstreben. Ihr Brainstorming sollte also eine Liste von Vermutungen umfassen, die Ihnen aller Voraussicht nach in den jeweiligen Situationen durch den Kopf gegangen sind. Diese Vermutung sind der Titel des Kopfkinofilms, für den Sie wahrscheinlich in der jeweiligen Situation das Kinoticket gezogen haben. Zum Abschluss dieser Sammlung sollten Sie dann die 1-3 Vermutungen markieren, die aus Ihrer Sicht am wahrscheinlichsten die Ursache für das Ergebnis sein könnten.

Frage 3: Mit welcher anderen Vermutung könnte ich ein von mir präferierteres Ergebnis erzielen?
Nun ist es wichtig, sich zu jeder der wahrscheinlichsten Ursachen zu überlegen, was eine bessere Vermutung gewesen wäre – also welcher Kopfkinofilm Ihnen ein hilfreicheres Genre und damit ein besseres Ergebnis beschert hätte. Wählen Sie den Titel des für Sie besten Filmes aus und notieren Sie ihn so, dass Sie immer wieder darauf zugreifen können. Denn jetzt beginnt die Verankerungsarbeit: Vor der nächsten Interaktions-Situation gilt es, sich den alten und neuen Filmtitel ins Gedächtnis zu rufen, damit Sie die Chance haben, genau diesen neuen Kopfkinofilm auch zu wählen. Wird dies sofort klappen? Nein. Deshalb müssen Sie im Nachgang zu jeder Interaktions-Situation auch reflektieren, welchen Film Sie tatsächlich gewählt haben und welchen Sie eigentlich wählen wollten. Diesen Vorgang müssen Sie so lange wiederholen, bis Sie dann irgendwann völlig ohne sich darauf zu konzentrieren, den neuen Film wählen. Mit anderen Worten: Sie haben sich eine Dauerkarte für den von Ihnen präferierten Kopfkinofilm erarbeitet und können nun das Ergebnis dieses neuen Films wiederkehrend genießen.